Bräutigam Rede (lustig)

Liebe Eva, liebe Hochzeitsgäste,

Herzensangelegenheiten sind zumindest ausbildungsmäßig mein Metier - sollte man meinen.

In diesem Moment stelle ich aber fest, dass es so etwas wie eine nicht ganz so lustige autogene-cardio-kommunikative Hemmung zu geben scheint.

Denn es fällt nicht leicht, über die eigenen Herzensangelegenheiten, zumal über Herzensangelegenheiten lustig als Bräutigam zu reden.

Was zumindest auf akademischer Ebene den Vorteil hat, uns zu neuer Erkenntnis zu verhelfen.

Ich ziele hierbei auf das Phänomen einer deutlichen Differenz zwischen Fachgebiet und Persönlichkeit, zumindest im Bereich der Heilkunde.

So kommt es, dass ein Kardiologe als Bräutigam seine Herzensangelegenheiten nur stockend verbalisiert.

Und das beispielsweise eine Narkosespezialistin eine unglaublich anregende und aufregende und belebende Frau sein kann.

Nun gut, ich kenne nicht alle Anästhesistinnen, eigentlich kenne ich nur wenige und nur eine einzige kenne ich gut.

Und für Eva kann ich diese Wirkung bestätigen, zumindest was meine Person angeht.

Zuweilen ergibt sich die enorm kreislaufanregende Wirkung aus einer ihrer speziellen Eigenheiten.

Womit schon gesagt ist, dass ich diese Eigenheiten liebe, ja beinahe anbete, weil es ihre Eigenschaften sind.

Und dennoch kristallisiert sich besagte Eigenschaft manchmal in einem Satz - ich müsste ihn jetzt eigentlich mit zusammengebissenen Zähnen sprechen:

"Wann wird sie denn endlich fertig?"

Ersatzweise:

"Wann kommt sie denn endlich?"

Insofern bin ich als Bräutigam von Dankbarkeit erfüllt, nicht nur, dass Eva sich herablässt, einen glücksseligen Toren wie mich zu ehelichen.

Nein, dass sie auch darauf verzichtet hat, mich stundenlang vor dem Altar warten zu lassen und so eventuell die Gefahr heraufzubeschwören, dass ich, was lustig wäre, entweder stoppelbärtig das Ja-Wort sage oder mich, was weniger lustig wäre, vor versammelter Gemeinde noch mal erneut rasieren muss.

Dennoch - jede Form des Wartens lohnt sich.

Denn wie viele Menschen warten ihr ganzes Leben lang vergeblich auf die Frau, die ihr Dasein komplettiert.

Und wenn sie käme, wäre es nicht einmal Eva, sondern irgendeine andere, aber selbst die kommt nicht, trotz allen Wartens.

Dieses Finden des Anderen ist sicherlich etwas, was man unter glücklicher Zufall einordnen muss.

Oder unter Fügung.

Oder unter Schicksal.

Hauptsache ist jedenfalls, dass es passiert.

Und dieser heutige Tag ist für uns ein glücklicher Tag, weil wir uns gegenseitig und der Welt gegenüber bekennen, dass wir festhalten, was uns zu-gefallen ist.

Dennoch stand das Zusammenleben als Institution schon seit Urzeiten unter Beschuss.

Von den Wüstenvätern, den ersten christlichen Einsiedlern in Ägypten wird zu diesem Thema eine Geschichte überliefert.

Irgendein Eremit, an den Namen erinnere ich mich nicht, wurde von der Vorstellung geplagt, dass sein Einsiedlerdasein eigentlich ziemlich unerfreulich sei und er viel lieber mit einer Frau zusammenleben würde.

Um sich von diesem Wunsch zu befreien, schuf der fromme Mönch eine Lehmfigur und sagte sich:

„So, das ist jetzt deine Frau und nun musst du auch für sie sorgen.“

Der Einsiedler verdiente seinen Lebensunterhalt, indem er lustige Körbe aus Binsen flocht.

Jetzt musste er doppelt so viele Körbe herstellen.

Aber selbst das konnte seinen Wunsch, das Eremitendasein aufzugeben, nicht bändigen.

Also machte er noch eine Lehmfigur, erklärte sie zum Kind und startete die Dreifach-Produktion an Flechtwaren.

Irgendwann war er überzeugt, konnte die Lehmfiguren zerstören und fürderhin ein zufriedenes Einsiedlerdasein führen.

Allerdings hatte er bei seinem Selbstversuch einen entscheidenden Fehler gemacht.

Er hätte es wissen können, denn das lose Geflecht von Binsen wird erst dann zum stabilen Korb, wenn sich die Streifen gegenseitig stützen.

Sich gegenseitig unterstützen, sich halten, sich auffangen, sich stärken.

So wie es eine Familie tut und wie es Freunde tun.

Und darum ist eine Lehmfigur nur eine Lehmfigur.

Aber ein anderer Mensch, eine Gefährtin, bedeutet Hilfe, wenn man Zweifel hat, bedeutet einen verständnisvollen Ratgeber, bedeutet jemanden, der so lustig ist, dass er uns aufheitert und zum Lachen bringt - bedeutet jemanden, der einfach da ist.

Es bedeutet einen Menschen, der so sensationell verschieden und anders ist, dass er nie langweilig wird und der doch so unsagbar vertraut und problemlos und nahe ist, als würde man sich nach einem harten Tag einfach in ein Kissen fallen lassen.

Kurz zusammengefasst:

Lehmfiguren bringen es einfach nicht.

Und der Selbstversuch des altägyptischen Einsiedlers kann ebenso als irrelevant abgelehnt werden wie Darwins Überlegungen zur Ehe für einen Bräutigam.

Und überhaupt - was sollen theoretische Überlegungen?

Denn nichts ist praktischer, lebendiger, lebensnäher und umwerfender als das, was selbst sehr lustige Poeten den Stich ins Herz genannt haben.

Und wenn die Engländer von "falling in love zwitschern", dann ist es genau das:

Das lustige Gefühl, eine Sekunde nachdem du das Fünf-Meter-Brett verlassen hast, die Schwerkraft spürst und weißt:

"Es geht nur noch in eine Richtung und du hast keine Wahl."

Für mich hieß die Richtung Eva und in gewisser Weise tauchen wir also heute ein.

Oder auf.

Egal - Hauptsache gemeinsam.

Und was den morgigen Tag angeht und viele tausend Tage danach:

Ich denke, ich sollte aufhören zu reden und was zu trinken bekommen.

Meine Lieben, erheben wir die Gläser, trinken wir auf das Wohl der wunderbaren Braut, trinken wir auf Jahrzehnte voller Glück, Gesundheit, Liebe und Harmonie - der Rest wird sich dann schon finden.

Prosit!

Als Bräutigam sollten Sie individuell passend reden.

Sie sehen hier lediglich ein Beispiel dafür, wie ein Bräutigam lustig reden kann bei seiner Hochzeit.

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