Rede Eröffnung Ausstellung (Vernissage)

Muster einer Rede zur Eröffnung einer Ausstellung (Beispiel: Filmkunst)


Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herr’n –
liebe Gäste.

Wir leben in einem rationalen Zeitalter.

Einer Ära der Ökonomie, einer Epoche der habituellen Entmythologisierung und zwanghaften Dekonstruktion.

Und wir sind zur Eröffnung dieser cineastischen Ausstellung hier, weil wir das nicht hinnehmen wollen.

Weil wir alle daran glauben, dass auch im Jahr 2016 noch Magie existiert.

Dass der Zauber nicht ausgestorben ist.

Vielmehr nicht aussterben darf.

Denn die Magie, von der ich spreche, entsteht dort, wo sich Menschen begegnen.

Wo sich Menschen öffnen und das tun, was Menschen schon immer getan haben:

sich Geschichten erzählen.

Geschichten, die unter die Haut gehen, wie man sagt.

Was nichts anderes bedeutet, als dass wir, die wir alle Gefangene im Gefängnis unserer Haut sind, Besuch empfangen.

Sie kennen alle die Szene, die Michelangelo an die Decke der sixtinischen Kapelle gemalt hat:

Der Schöpfer, der den Arm ausstreckt, um mit dem Finger den Finger des ersten Menschen zu berühren.

Berührung als Menschwerdung.

Sich berühren lassen, um die Welt zu sehen.

Das ist die Magie, die ich meine.

Die hat nichts mit Spezialeffekten zu tun, sie drückt sich auch nicht im Box Office am Opening Weekend aus.

Obwohl ich - mir als Film-Produzentin dürfen Sie das glauben - nicht wirklich viel gegen gute Einspielergebnisse habe. ☺

Aber wichtiger ist die Magie des Kinos.

Wir lassen uns freiwillig von dem Wal verschlingen wie Jonas und gehen in dessen dunklem Bauch auf eine Reise.

Und dies nicht allein.

John Naisbitt formulierte es einmal so - Zitat:

„Man geht nicht bloß ins Kino, um sich Filme anzusehen.

Man geht vielmehr ins Kino,
um mit zweihundert Menschen zu lachen und zu weinen.“


(...)