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Eröffnungsreden als Veranstalter - eine kurze Checkliste

Photo by Pete Souza (Author), Public Domain (Licence)

Eröffnungsreden als Veranstalter – eine kurze Checkliste

Alle stehen in den Startlöchern, gleich beginnt die Show! Doch zuerst muss noch die Eröffnungsrede über die Bühne gehen, versiert, ein bisschen humorvoll, aber auf jeden Fall interessant und möglichst prägnant. Klingt gar nicht so einfach – ist es auch nicht: Die passenden Worte zu finden, kann Tage oder sogar Wochen dauern, selbst dann, wenn damit nur ein paar Minuten gefüllt werden müssen.

Redezeit! Zwei bis drei Minuten hat ein Eröffnungsredner Zeit, die Zuhörer in den Bann zu ziehen. Viel länger reicht zumeist die Geduld der Menge nicht, vor allem dann, wenn der Duft des Buffets bereits in der Luft liegt. Langatmigkeit und Selbstbeweihräucherung sind an dieser Stelle jedenfalls nicht gefragt, Glaubwürdigkeit und Griffigkeit kommen viel besser an. Es lohnt sich, die Rede vorher daheim mehrmals vor dem Spiegel zu halten, »hakende« Stellen zu korrigieren und die Zeitschraube gezielt auf wenige Minuten herunterzudrehen.

Kreativität! Natürlich erscheint es allzu verlockend, auf die Rede des Vorjahres zurückzugreifen, diese ein wenig zu frisieren, um sie dann noch einmal zu kredenzen. Doch seien Sie gewiss: Die Zuhörer merken das – und sind darüber in der Regel nicht sehr erfreut. Im schlimmsten Fall wird Ihre regelmäßig wiederholte Rede sogar zum heimlichen Running Gag, doch dafür ist sie wirklich nicht da! Lassen Sie sich also besser immer wieder etwas Neues einfallen, fokussieren Sie sich auf frische Themen und werfen Sie den alten Ballast über Bord.

Authentizität! Mein wichtigster Rat: Machen Sie sich nicht zum Witzbold, wenn Sie gar keiner sind. Verbiegen Sie sich nicht für Ihr Publikum, sondern bleiben Sie ganz Sie selbst, unverkrampft und ungekünstelt. Wer in seinem Umfeld als echter Teamplayer gilt, darf sich ungehemmt mit seinen Zuhörern verbrüdern, doch der einsame Wolf sollte in dieser Hinsicht eher Zurückhaltung üben. Sympathie weckt nur, was wirklich authentisch rüberkommt, alles andere bleibt besser ungesagt. Als Freund der leisen Töne dürfen Sie gern nachdenklich und emotional werden, ein eher extrovertierter Typ steigert sich eher mal in sein Redethema rein und fängt am Ende sogar richtig Feuer. Machen Sie es so, wie es zu Ihnen und Ihrem Charakter am besten passt.

Photo by MstfKckVG (Author), CC0 Creative Commons (Licence)

Einschlägige Wortwahl! In jeder Szene, in der sich Menschen bewegen, gibt es bestimmte Fach- und Schlagwörter. Thomas Lamatsch, ehemaliger Turnier-Direktor bei PokerStars, fand dementsprechend immer die passende Formulierung zum Start eines PokerStars Live-Events. Er läutete die spannenden Spielrunden mit den Worten ein: »Shuffle up and deal!«. Ebenso greift der Fußballtrainer und Profi-Redner Stefan Kuntz gern in seinen Ansprachen auf den emotionalen Text der internationalen Fußballhymne zurück: »You’ll never walk alone!«. Der begabte Boxer und Rhetoriker Henry Maske wird hingegen bestimmt hin und wieder mal aus seinen allseits bekannten Einzugsliedern wie »Cursed to Fight« und »Conquest of Paradise« zitieren, um begeisternde Redepassagen zu kreieren.

Zielgruppe! Dem Redner selbst kommt natürlich eine große Bedeutung zu, wenn es darum geht, die Ansprache glaubhaft und interessant zu gestalten. Aber auch das Zielpublikum ist einen genaueren Blick wert, denn schließlich sollen alle Anwesenden etwas von Ihren hehren Worten haben. Handelt es sich um vertraute Menschen, die regelmäßig zusammenarbeiten, so lassen sich in die Rede persönliche Erlebnisse und bekannte Namen einflechten. Kennen die Zuhörer sich untereinander kaum, werden aber durch ein gemeinsames Band vereint, so gilt es, diejenigen Elemente anzusprechen, die alle gemeinsam haben.

Respekt! Gerade dann, wenn die Rede relativ persönlich ausfällt und sogar konkrete Namen genannt werden, ist es absolut unumgänglich, Respekt zu wahren. Witzeleien über bestimmte Personen sind nur dann erlaubt, wenn es absolut sicher ist, dass sich niemand verletzt fühlt. Peinliche Verfehlungen oder echte Missetaten öffentlich anzuprangern, gehört zu den absoluten Tabus! Auch das Lästern über nicht anwesende Personen sollte besser unterbleiben, sonst könnte die Stimmung ganz schnell kippen. Freundliche, aufbauende Worte gehören jedoch beinahe schon zur Pflichtübung, ebenso wie Lob und Anerkennung für besondere Leistungen.

Kommunikation! Einen strengen Monolog führt nur, wer sich selbst übermäßig gern reden hört, jeder andere bindet seine Zuhörer aktiv mit ein. Das bedeutet nicht, dass das Publikum zwingend auch etwas sagen muss, schließlich kann eine lebendige Kommunikation auch auf anderem Wege erfolgen. Das freie Vortragen der Rede gehört auf jeden Fall dazu, ebenso wie der Blickkontakt mit den umgebenden Menschen. Rhetorische Fragen ergänzen das kommunikative Potpourri perfekt, genau wie eine passende Anredefloskel, die allerdings nicht allzu oft wiederholt werden sollte.

Photo by cocoparisienne (Author), CC0 Creative Commons (Licence)

Hier wird wieder einmal deutlich, wie komplex sich die Planung, Erstellung und Durchführung einer professionellen Eröffnungsrede tatsächlich gestaltet. Diese wenigen Minuten lassen sich eben nicht innerhalb einer Mittagspause füllen, sie beanspruchen ganz viel Feingefühl und Geduld. Eine Faustregel: Pro Redeminute eine Woche Planung, den Inhalt mit sich herumtragen, daran feilen, immer wieder ändern, bis es endgültig perfekt passt.